Leben und sterben in Zeiten von Corona

Standard

Menschen sterben. Gestern, heute und leider auch morgen. 2020 ist der Tod in der westlichen Welt zu einem Tabu geworden, ebenso auch Krankheiten und Behinderungen. Solche Themen passen eben nicht zu Size Zero, “40 ist das neue 20” und zur zwanghaften Selbstverwirklichung von satten Topverdienern.

Das ist soweit nichts Neues, aber dann kam Corona. Erst jetzt kann man erahnen, wie infantil die westliche Gesellschaft wirklich geworden ist, und wie ihr rosaroter Ponyhof aussieht. Völlig verwirrte Zeitgenossen vergleichen die momentane Lage gar mit einem Weltkrieg…

Permanent wird man multimedial mit artifiziellen Zahlen bombardiert, die lediglich das Panikniveau auf einem gleichbleibend hohen Level halten. Anscheinend ist das nötig, denn kaum jemand kennt einen ernsthaft Kranken ohne massive Grunderkrankungen und unterhalb des siebzigsten Lebensjahres. Natürlich mag es den einen oder anderen Fall geben, aber den gibt es bei der handelsüblichen Influenza auch. Hat das bis jetzt irgendwen interessiert?

Nein, hat es nicht. Doch jetzt plötzlich “zählt jedes Leben”, was nichts anderes als ein weiteres Motto vom rosaroten Ponyhof ist. Wen interessieren die Verkehrstoten, die Toten der KHK (koronären Herzerkrankung), die Opfer von Ärztefehlern, oder die Opfer der Krankenhauskeime?

Nein, Corona ist die große Ausnahme, die totale Singularität. Und wisst Ihr was? Mir geht das fürchterlich auf den Sack!

Wir tun hier alle so, als wäre wir eigentlich Unsterbliche. Nur Corona hat das Potenzial, unser Dasein als Highlander zu gefährden. Leider ist es umgehekrt: Wir werden alle verrecken, jeder Einzelne von uns. Das ist bedauerlich, aber so ist es nunmal. Einige von uns werden jung sterben, andere alt. Die Wahrheit ist: Das ist eine Grundbedingung des Lebens an sich!

Ein wahnsinnig kluger Mann hat einmal gesagt: Wer die Lebenskunst erlernen will, muss zuerst das Sterben lernen. In der BRD passiert gerade das genaue Gegenteil: Wir verleugnen unsere eigene Sterblichkeit und damit den Tod. Damit werden wir alles andere als lebenstüchtig, nämlich in Wirklichkeit ziemlich lebensunfähig.

Und nein, ich habe kein Interesse an einem Beatmungsplatz in einer Intensivstation. Sollte es einmal so weit sein, entscheide ich mich für mein Bett zuhause. Ich will kein Beatmungsgerät, keine Flüssigkeitszufuhr und auch keine Sonde für künstliche Ernährung – ich trete das alles ab und habe das sogar schriftlich in Form eines Patiententestaments fixiert. Wenn meine Zeit endet, ist das eben so. Apparatemedizin lehne ich ab, wo ist also das Problem?

Und warum ich so rede? Weil ich keine Angst vor dem Tod habe, ganz im Gegenteil: er ist Teil des Lebens. Gewissermaßen ist er das Ende des Weges. Das heißt aber keinesfalls, das ich lebensmüde wäre. Ich genieße das Leben, das ich noch Leben kann und darf. Wenn damit aber Schluss ist, werde ich auch das genießen.

Mal ganz ehrlich: Glaubst Du an einen schönen, oder angenehmen Tod? Ist der Tod an einem Beatmungsgerät schöner, als ein anderer? Wohl kaum, aber es ist Deine Entscheidung.

Wir werden “Geboren um zu sterben”. Jeder Mensch ist eingeladen, sich über seine Definitionen von “Leben”, “Gesundheit” und “Tod” eigene Gedanken zu machen, um für sich individuelle Wege zu finden. Ich verstehe, dass es Menschen gibt, die andere Sichtweisen als ich habe. Diese Perspektiven respektiere ich, aber sie sind eben nicht meine.

Ich glaube nicht, dass diese phantasievoll “Lockdown” oder “Shutdown” genannten Zustände der wirtschaftlichen und persönlichen Einschränkungen, luftdurchschlässige Läppchen vor dem Gesicht, massenhafte willkürliche Testungen und ein minimal getesteter (und zugleich völlig neuartiger Impfstoff auf RNA-Basis) in irgendeiner Form geeignet sind, um einer Pandemie zu begegnen. Wer dieser Pandemie Herr werden möchte, muss ungleich konsequenter auftreten. China lässt grüßen…

Die vielleicht wichtigste Frage im Zusammenhang mit dieserm Virus vermisse ich jedoch. Vielleicht wird sie durch die “Jedes Leben zählt”-Maxime bereits ad absurdum geführt. Aber ist dieser Kampf gegen Corona überhaupt sinnvoll? Oder ist COV-19 am Ende nur ein Faktor von vielen, dem seine potenziellen Opfer sowieso zum Opfer gefallen wären: eine Hitzewelle, eine Grippe, Alter, Lungenentzündungen usw. usw. Wen wollen wir hier gerade eigentlich retten und für welche Dauer? Welchen Preis wollen wir dafür zahlen? Wollen das die Betroffenen eigentlich selbst?

Und nun stelle ich die große Frage, auf die ich selbst bisher keine Antwort anbieten kann:

Sollten wir den Tod nicht als unvermeidliche Konstante akzeptieren, auch wenn uns das unsere Herzen brechen kann?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.